Meine Gründe für eine vegane Ernährung


Neulich wurde ich von einer Kollegin gefragt, wieso ich mich eigentlich vegan ernähre. Es war in einer Situation, in der wir beide gerade gut mit Arbeit beschäftigt waren und ich wirklich nicht die Zeit hatte, um ausführlicher darauf einzugehen. Also sagte ich: "Aus moralischen Gründen" und diese Antwort schien ihr dann auch schon zu genügen, zumindest fragte sie später in einem ruhigeren Moment nicht weiter nach. Und genau das stelle ich immer wieder im Alltag fest und bin damit mit Sicherheit nicht allein. Keiner will doch wirklich hören, wieso man sich bewusst für eine vegane Ernährung entschieden hat. Das vermiest einem nur die gute Stimmung, das leckere Essen, den schönen Tag oder was auch immer. Und zudem "schmeckt mir mein Fleisch" und "ganz ohne könnte ich eh nicht leben". Sätze die sich viele vegan oder vegetarisch lebende Menschen tagtäglich anhören müssen - ob wir wollen oder nicht. 

Es gibt da so einen Spruch: "Woran erkennt man einen Veganer? - Er erzählt es Dir sofort". Und ja, ich gebe zu. Ich habe es vor 10 Wochen sofort meinen Kollegen erzählt. Und wieso? Weil ich am Morgen dann eben keine Kuhmilch mehr aus dem Kühlschrank nehme oder weil ich eben nicht mal schnell vom mitgebrachten Kuchen probieren werde usw. 

Die nächsten Tage gab es dann zahlreiche Anmerkungen, es war wirklich großes Thema bei der Arbeit: "Ach komm, ein bisschen Käse kannst Du doch. Oder: Ne, das DARF die Jessi jetzt nicht mehr essen, sie lebt doch vegan. Oder: Was kannst Du dann noch essen? Also ICH könnte das nicht." Und wenn dann doch mal jemand näher nachfragte und ich erzählte, das ich das Tierleid, die Ausbeutung, die Massenhaltung, die Qual, den Tod, die lange Transportwege usw. nicht mehr aktiv unterstützen werde hieß es oft: "Ach komm, das ist jetzt aber echt übertrieben. Dann dürfte man ja gar nichts mehr essen... Und zudem kaufen wir unser Fleisch nur beim Biobauern um die Ecke".

Für mich persönlich ist es eben nicht mehr in Ordnung, wenn man sich alles so schön redet. Ich kann und werde und möchte anderen nicht belehrend vorschreiben, was sie zu tun und lassen haben. Aber ich für mich habe diese Entscheidung getroffen und mir geht es sehr gut damit. Auch wenn das außenstehende oft nicht glauben möchten. Ich brauche mir nichts vorwerfen, wenn mal wieder Bilder von grausamen Tiertransporten, Gammelfleisch, tausende zerschredderte männlichen Küken oder sonstige Perversitäten der Menschheit zu sehen sind. Ich bin mit mir im reinen und das ist gut so. 

Und wenn ich für andere der Spielverderber, Miesepeter, Möchtegern Gutmensch oder sonst was bin: So what - ich kann in den Spiegel gucken und weiß, das ich die richtige Entscheidung getroffen habe. Und abgesehen davon geht es mir auch körperlich, geistig und gesundheitlich prima. In diesem Sinne: Habt einen wunderschönen Tag :)

Was keiner wagt, das sollt ihr wagen.
Was keiner sagt, das sagt heraus.
Was keiner denkt, das wagt zu denken.
Was keiner anfängt, das führt aus.

Wenn keiner ja sagt, sollt ihr´s sagen.
Wenn keiner nein sagt, sagt doch nein.
Wenn alle zweifeln, wagt zu glauben.
Wenn alle mittun, steht allein.

Wo alle loben, habt Bedenken.
Wo alle spotten, spottet nicht.
Wo alle geizen, wagt zu schenken.
Wo alles dunkel ist, macht Licht.

Kommentare:

  1. hallo Jessi,
    ja, nach bereits 3 Jahren veganer Ernährung kann ich dir sagen, dass mir noch immer solche, wie von dir beschriebenen, Aussagen begegnen.
    Manchmal nervt es nur noch. Die Fleischesser fühlen sich persönlich angegriffen, ganz so als würd ich ihnen das Schnitzel nicht gönnen, und meistens essen sie "eh kaum" Fleisch, und wenn überhaupt .. na du weißt sicher was ich meine.
    Es ist halt so wie es ist.
    Man entscheidet sich dazu, oder lässt es.
    Jedem nach seiner Manier :)
    schönen Restsonntag noch
    Sophie

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  2. Auf den Punkt gebracht dein Post, knapp aber bündig und der Text darunter: absolut perfekt!
    Danke das du wohl vielen von "uns" aus dem Herzen sprichst. ^^
    hihi Weiter so! Du machst das super!
    GLG, MamaMia

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  3. Ich kann vollkommen verstehen, dass solche Aussagen einfach nur nerven. Eine meiner Freundinnen ernährt sich auch vegan und muss ständig mit solchen oder ähnlichen Fragen leben. Ich akzeptiere ihre Entscheidung einfach und muss dann nicht noch ständig "nachbohren", ich denke dafür ist sie mir auch wirklich dankbar.

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  4. Ich bin seit 23 Jahren Vegetarierin und seit 3 Jahren Flexiganerin (also so oft wie möglich vegan, sonst vegetarisch) und ich muss mir seit 23 Jahren blöde Sprüche anhören. Oft von Leuten, die sich beim gemeinsamen Essen in der Kantine/Restaurant anscheinend durch meine bloße Existenz angegriffen fühlen. Ich störe sie anscheinend beim Schönreden dessen, was sie da gerade tun. Morgen gibt es in der Firma Mittagessen ausgegeben für alle, nur Fleisch. Zitat: "Also wenn du das WIRKLICH nicht EINMAL essen kannst, dann musst du dir selbst was mitbringen. Vegetarisch war zu teuer...."

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  5. Das haste schön geschrieben!
    Ich bin nach über 3 Jahren immer noch sprachlos, was man sich alles anhören muss.
    Manchmal könnte ich lachen, wenn es nicht so traurig wäre.
    Und ich hab noch keinen Veganer getroffen, der sich vorstellt: "Hallo, ich bin der Klaus und vegan."
    Meistens wird das von den Omnis thematisiert und dann geht's auch schon los mit der Besseressermentalität - hat mir schon so manches Essen mit Omnis verdorben.

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  6. Ich finde es auch sehr schlimm, dass auch heute noch solche nervigen Sprüche gegen Vegetarier und Veganer sein müssen. Mein Lieblingsspruch ist immer : Leben und leben lassen.

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