Zusammen 130 Kilo leichter durchs Leben

Ich freue mich Euch heute ein interessantes Interview zwischen Andreas und mir vorstellen zu dürfen. Andreas hat mit vegetarischer, später veganer Ernährung 78 (!) Kilo abgenommen und hat hierbei interessante Erfahrungen zum Thema Sport, Motivation, innerer Schweinehund, Fasten und veganer Ernährung gemacht.

Im ersten Teil findet Ihr die Fragen die mich an Andreas interessiert hatten und im zweiten Teil die Fragen, die Andreas an mir interessiert hatten. Viel Vergnügen

Teil 1 


Andreas, Du lebst ja jetzt schon einige Zeit vegetarisch bzw. vegan. Könntest Du kurz zusammenfassen, wie es zum Übergewicht gekommen ist und - noch viel wichtiger - was Dich bewogen hat, Dich von diesem zu befreien?

Ich war eigentlich immer schon übergewichtig. Dieses resultierte, wie bei den meisten Menschen, aus zu kalorienreicher Ernährung kombiniert mit Bewegungsmangel. Faktoren für die falsche Ernährung in meinem Fall waren privater und beruflicher Stress. Tagsüber unregelmäßiges Essen. Hier und da ein paar Pommes, schnell mal ein Stück Pizza, gerne noch ein Döner. Wenn ich abends spät nach Hause kam, konnte ich oft erst gegen 22:00 Uhr etwas essen, weil ich dann Ruhe gefunden habe. Das war dann aber meist das „Falsche“: Kohlenhydrate, Fett und Zucker in Form von Weißbrot, Käse und Marmelade. Dadurch habe ich dann schlecht geschlafen. Am nächsten Morgen fühlte ich mich unausgeschlafen, genervt, hatte Hunger. Es war ein Teufelskreis. Dann schließlich im Januar 2011 brachte ich 190,3 kg auf die Waage. 


Mein ungesunder Lebenswandel hatte deutlich seine Spuren hinterlassen: Bluthochdruck, Gicht, Gelenkschmerzen, Magenbeschwerden, Antriebslosigkeit und Stimmungsschwankungen bis hin zu depressiven Verstimmungen. Ich nahm Medikamente gegen Bluthochdruck, Betablocker, Cholesterinhemmer und Schmerzmittel. Ein Teufelskreis. Bei einer Routineuntersuchung beim Hausarzt waren meine Blut- und Körperwerte katastrophal. Ich hatte das Gefühl, dass es so nicht mehr lange gut gehen würde. Mein Doc sprach von 5 Jahren.Ich traf dann eine Entscheidung, die, wenn ich es heute betrachte, eine der besten meines Lebens war. Ein RESET war angesagt. Tief in mir wollte ich das schon lange, war aber um Ausreden nie verlegen. Nur jetzt hatte ich das Gefühl, das es ernst war. Ich habe dann fast eine ganze Nacht wach gelegen und nachgedacht. Am nächsten Morgen bin ich zu meinem Doc gegangen und habe ihm von meinem Entschluss, dass ich ab sofort mein Leben ändern will, erzählt. Das war der Startschuss in ein neues Leben. Eigentlich recht unspektakulär, weil ich mittlerweile weiß, dass es vielen übergewichtigen Menschen ähnlich ergeht. Eben eine Folge von jahrelanger Fehlernährung, Stress und Bewegungsmangel. Die typischen Krankheitssymptome haben meiner Meinung nach unmittelbar mit dem Fleischkonsum zu tun. Ich glaube, dass das Leiden der Tiere in den Mastbetrieben und Schlachthäuser direkt auf unseren Teller und in unseren Körper wandern. Dieses Leiden nimmt Raum und macht unsere Körper krank und die Seele traurig.Wer für seine Mitgeschöpfe und sich das Beste will, kommt an einer veganen Ernährung nicht vorbei.

Wie sieht ein typischer Tag ernährungstechnisch bei Dir aus? Was ißt Du z.B zum Abendessen?


Morgens liebe ich meinen Pot Kaffee
. Schwarz ! Warme Haferflocken mit Zimt oder ein Obstsmoothie, in dem Haferflocken und gepuffter Amaranth hineinkommen, ab ca. 13:00 Uhr keine Kohlenhydrate mehr. Mittag z.B. Salat und viel viel trinken, und zwar Wasser ohne Kohlensäure und grünen Tee. Abends dann warm essen. Proteinreich. Bis 19:00 Uhr essen. Dann nix mehr.
 
Hast Du ein Wunschgewicht, welches Du noch erreichen möchtest? Und falls ja, wieviele Kilos sind es bis dahin noch?

Ja. ich möchte im September 2013 gerne 79,3 kg wiegen. dann hätte ich insgesamt 111kg abgenommen. Das kann man sich gut merken :) Bis zum Ziel sind es dann noch gut 33kg. Das wird bis dahin wohl zu schaffen sein.

Du hast jetzt 78 Kilo abgenommen. Wie macht das Deine Haut mit? Hast Du irgendwelche Tipps zur Hautpflege während Deiner Abnahme?

Die Haut ist ein Wunder der Natur. Durch gezielten Muskelaufbau kann sich die Haut wunderbar regenerieren. Ganz wichtig ist regelmäßiges Eincremen. Feuchtigkeitscreme und hochwertige Körperoele haben bei mir gute Erfolge erbracht. Es gibt aber trotzdem die ein oder andere Hautstelle die, sagen wir mal, etwas an Elastizität verloren hat. 

Was ist Dein liebstes veganes Essen? Über ein Rezept würde ich mich freuen :) Einfache Dinge habe ich lieben gelernt. Verschiedene Gemüse leicht gedünstet mit frischen Kräutern.Oder grüne Smoothies. Nichts spektakuläres. Mein „PowerSmoothie“ zum Mittag Spinat, Zitrone, Apfel, Banane, Erdnussmus, etwas Agavendicksaft und Wasser. Fertig ist die Vitalitätsbombe.

Wie sieht es aus mit dem Thema Sport? Machst Du gerne Sport? Falls ja welchen? Und falls nein: Wie überwindest Du Deinen inneren Schweinehund?
 
Ja, Sport ist zu einem wichtigen Bestandteil geworden. Radfahren, Kanufahren und Fitnessstudio sind meine Favoriten. Das Radfahren war am Anfang nur auf einem Spezialrad möglich. Mittlerweile habe ich mir ein hochwertiges Mountainbike gegönnt und 2013 stehen u.a. das AirportCross Rennen in Weeze (Niederrhein) und das 24Stundenrennen in Duisburg auf der Wettkampfliste. Der Schweinehund ist da, aber er wird mit der Zeit leiser. Ich glaube, ich bin hin und wieder auch schneller als er geworden. Er ist halt eine träge Socke. Natürlich gibt es schon Situationen, wenn er kein Bock hat und mich überreden will, auf der Couch zu bleiben. Was mich dann motiviert, ist das schon Erreichte. In der letzten Zeit bewegt es mich immer wieder, wie die Menschen mir auf den Vorträgen und Seminaren begegnen. Diese mitzunehmen auf einen Weg in ein neues und gesünderes Leben ist ein unglaublicher Antrieb.

Dein ultimativer Tipp zum Thema Motivation?!


Ja. ES LOHNT SICH !!! Ich sage nicht, dass es leicht ist. Aber es ist machbar. Und zwar ohne Pülverchen, Diäten und Punkte zählen. Diese Dinge bringen häufig nur kurze Erfolge, aber mit Lebensveränderung hat es nichts zu tun. Was auch noch ganz wichtig ist zu erkennen: Kein anderer ist für meinen Zustand verantwortlich ist außer ich selbst. Also kann ICH nur eine Entscheidung treffen, etwas zu verändern. Wenn jemand mit 100kg von der Couch aufsteht, um diesen Weg zu gehen, ist er schon schneller als der, der mit 90kg sitzen bleibt. Anfangen ist der Schlüssel. Ich habe auf meinen Vorträgen festgestellt (die ich zum Thema Motivation gebe), das dies häufig nicht so gesehen wird. Da spielt Scham und unsere Gesellschaft eine große Rolle, die uns immer wieder davon abhalten will, etwas zu verändern. Wie gesagt ES LOHNT SICH auch mal Nein zu sagen. Für mich persönlich habe ich das Heilfasten entdeckt. Bei wichtigen Entscheidungen und Motivationsflauten finde ich in dieser Zeit des Fastens Lösungsansätze und neue Energie, den nächsten Schritt zu gehen. Mittlerweile biete ich in Zusammenarbeit mit einem Heilpraktiker Fastenseminare an, die eine gute Gelegenheit sind, dem Leben eine neue Richtung zu geben und motiviert und gestärkt diese neuen Wege zu gehen.

Teil 2 



Jessi, was war für Dich das "Schlüsselerlebnis" zum erkennen: "Ich bin zu knubbelig"?

Da ich mein ganzes Leben lang stark übergewichtig war, gab es in diesem Sinne kein "Aha" Erlebnis, welches mich zum umdenken anregte. Ich kannte es ja nicht anders, hatte mich an diesen Zustand gewöhnt und auch damit abgefunden. Irgendwann im Herbst 2010 war ich aber einfach nur noch genervt davon, wie angeschwollen und dick meine Füße jeden Abend waren. Das sah nicht nur doof aus, sondern bereitete mir auch Schmerzen. Von einem Tag auf den andereren hatte ich dann beschlossen: So kann es einfach nicht mehr weitergehen! Du bist 28 Jahre alt, passt in keine Schuhe mehr rein, hast sogar Schwierigkeiten in Übergrößen Geschäften irgendwelche Klamotten zu finden und Dein Körper schmerzt. Also beschloss ich abzunehmen und war mir sicher: Diesesmal werde ich es schaffen. Ganz bestimmt!

Du ernährst Dich vegetarisch/vegan. Wie geht Dein Freundeskreis/Familie damit um?

Die Entscheidung für eine vegetarische Ernährung fiel - genauso wie die Entscheidung zum abzunehmen - von einem Tag auf den anderen.  Es muss irgendwann im Frühjahr 2009 gewesen sein. Zwischenzeitlich haben die Anmerkungen dazu deutlich nachgelassen, worüber ich auch sehr froh bin. Es ist einfach nicht schön wenn  man sich für eine gute Sache einsetzt und dafür von anderen noch angegriffen wird. Gelegentlich muss ich mich dann noch mit "typischen" Fragen auseinandersetzen, die mit Sicherheit schon jeder Vegetarier / Veganer gehört hat, z.B was ich dann noch essen kann usw.
Aktuell freut mich eine Gegebenheit aber ganz besonders: Meine Eltern werden dieses Weihnachten kein Fleisch konsumieren und Vegetarisch kochen. Das finde ich einfach

Ich habe in meinem Bekanntenkreis die Erfahrung gemacht, sobald zum Beispiel beim Grillabend Fleisch dabei ist, der Gastgeber sich regelgerecht entschuldigt. Wieso denkst Du, warum Fleischesser häufig ein schlechtes Gewissen haben?

Vielleicht liegt es daran, weil es eben schon immer so war und sich "so auch gehört". Es wird Fleisch/Fisch angeboten und gegessen, obwohl  man eigentlich weiß wieviel Tierleid dahinter steckt. Ändern möchte man es aber trotzdem nicht (was sollen denn die Nachbarn denken? Der Fleischkäse / das Grillwürstchen schmeckt aber so gut! ) und entschuldigt / rechtfertigt sich deshalb bei der Person, die kein Fleisch mehr konsumiert. Manchmal denke ich, das Menschen deshalb nicht den vegetarischen oder veganen Weg einschlagen, weil sie keine Lust darauf haben sich in ihrem Umfeld dafür zu rechtfertigen. 

Übrigens komme ich besser mit jemanden klar der sagt "Mir schmeckt Fleisch, mir ist egal was mit den Tieren passiert und deshalb esse ich es" als mit jemanden der vorgibt tierfreundlich zu sein (hält sich z.B ein Haustier oder engagiert sich im Tierheim) und  nebenher aber Schwein, Kuh und Co. auf den Teller packt.

Schaust Du auch an der Supermarktkasse auf das Band, was der Kunde vor Dir drauf legt und wenn ja, was geht dann in Dir vor?

Ja! ツ Ich finde Leute, die sich z.B einen Kuchen kaufen sehr symphatisch und glaube, das diese Person einfach kein schlechter Mensch sein kann *grins*. Ich freue mich aber auch darüber, wenn jemand kein Fleisch / Fisch auf das Kassenband legt oder zwischen den Einkäufen eine vegetarische oder vegane Fleischalternative herausguckt. Die nächsten Tage wird man mit Sicherheit wieder irgendwelche Hamstereinkäufe von Ente, Kalb, Forelle oder Schweinelendchen beobachten können. Schade, gerade wo viele Menschen auf der einen Seite dann z.B in der Kirche das "Fest der Liebe" feiern und daheim beim kochen dann wieder alles vergessen ist.

Wenn Du Dir aussuchen könntest, vor wem Du eine Rede halten könntest. Wo würde das sein? Warum genau dort und was wäre das Thema?

Hm, mich beschäftigen viele Themen. Bezogen auf die Abnahme würde ich mich wahrscheinlich für das Thema entscheiden, das eine vegetarische oder vegane Ernährung nicht allein der Schlüssel für eine erfolgreiche Abnahme ist, vor allem auch wenn man sein neues Gewicht halten möchte.  Es hängt eben doch alles etwas "mehr" zusammen, was das Übergewicht verursacht. Die Psyche, die Lebensumstände, der Stressfaktor, das soziale Umfeld, die Art wie man selbst mit sich umgeht und umgehen lässt, Erfahrungen aus der Vergangenheit, antrainierte Glaubenssätze usw. Über diese Themen durfte ich die letzten 2 Jahren anhand meiner eigenen Abnehmerfahrung viel lernen.

Hattest Du schon einmal "Rückfälle" und wie gehst Du damit um?

Ich bin irgendwann mal davon abgekommen kleinere Zunahmen als "Rückfälle" zu titulieren, weil mich das irgendwie immer runtergezogen hatte. Die Konsequenz daraus war, das ich mir dann innerlich immer so einen Druck aufgebaut habe und diesen wieder mit Essen kompensierte. Ein Teufelskreis. In meinem Blog finden sich immer wieder mal Einträge, in denen die Ernährung nicht ganz so ideal lief und ich dann auch kleinere Zunahmen hatte. Trotzdem  habe ich gelernt "lockerer" damit umzugehen und habe angefangen mehr auf mich und meine Bedürfnisse zu achten. Ich möchte mich einfach nicht mehr von Vorgaben oder gut gemeinten Ratschlägen beinflussen lassen und versuche stattdessen - Schritt für Schritt - meinen eigenen Weg zu finden, mit dem es mir körperlich wie auch psychisch gut geht.

Welche Entscheidung in Deiner Abnehmphase war die schwierigste und warum?

Gerade dieses Jahr kann ich eigentlich keinen großen Abnehmerfolg vorweisen. Das Jahr neigt sich dem Ende und ich bin praktisch bei dem Gewicht, das ich auch am Jahresanfang hatte. Über das Jahr verteilt gab es immer wieder kleinere Zu und Abnahmen und ich habe mich etwa bis zum Sommer sehr dadurch stressen lassen. Irgendwann führte dieser Druck- auch wegen anderen Gründen - zu solch einem großen Stress in mir, dass mein Körper mir deutlich signalisierte: Jessi, mach jetzt einfach mal langsam !!
Ab August diesen Jahres habe ich dann deutlich einen Gang zurückgeschalten, habe akzeptiert das man eben nicht alles gleichzeitig erreichen kann und ich von meinem Körper schon gar nicht erwarten darf, das er - so wie im letzten Jahr - mal eben nochmals 20 bis 30 Kilo verliert. Klar habe ich noch ein Ziel, welches ich erreichen möchte und auch werde! Im Moment konzentriere ich mich aber auf die Erhaltung und habe das jetzt einfach mal so akzeptiert. Seitdem ist auch dieser Druck weg und mir geht es deutlich  besser

Falls Ihr Andreas kontaktieren möchtet, geht das entweder hier (Facebook Profil) oder hier (NeueWegeLeben) 

Andreas, vielen Dank für das intereressante Interview und Deine Offenheit 


 

Kommentare:

  1. ich bin immer wieder beeindruckt!!!! alles gute für den weiteren weg <3

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  2. Interessante interviews, vielen dank :)

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  3. Wow, sehr spannende Interviews :-)
    Und sehr bewegende Geschichte, dass Andreas so ungesund gelebt hat und so übergewichtig war, dass der Arzt ihm nur noch 5 Jahre vorhergesagt hat :-/

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  4. Danke für diese beiden tollen Interviews!

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  5. Tolles Interviews!
    Vielen Dank für Eure Geschichten und weiterhin viel Erfolg!

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  6. Was für ein tolles Interview! Vielen Dank an euch beide und das weiterhin noch einige Pfunde purzeln!

    Liebe Grüße
    Andrea

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