Zeit für Veränderungen



"Ich will Ihnen ja nicht zu nahe treten, aber Sie haben wirkich so wunderschön abgenommen, da können Sie echt stolz auf sich sein. " sagte heute eine Frau zu mir - selbst stark übergewichtig - die ich eher selten hier im Ort sehe. Wow - da war ich erst mal platt. Nicht weil sie mich einfach angesprochen hatte, sondern über das was sie sagte. Ich und Stolz? Auf mich? Auf etwas was für andere Leute scheinbar ganz "normal" ist, nämlich nicht mit über 50 Kilo und mehr Übergewicht rumzulaufen? Ich lächelte nur etwas verlegen und sagte "Danke", etwas schlaueres fiel mir in dem Moment einfach nicht ein.. Als sie dann meinte dass sie es selbst einfach nicht schaffen würde und schon zig Versuche hinter sich hat, wusste ich genau wie sie sich in dem Moment fühlt. 

Als übergewichtiger Mensch darf man sich von verschiedenen Seiten immer wieder mal anhören, dass es doch gar nicht so schwer sei abzunehmen, man müsse nur konsequent genug sein und "es einfach mal richtig durchziehen"! Man wird als faul  und undiszipliniert eingeordnet und der Blick hinter die Kulissen interessiert nicht wirklich. Als ob es mit eben mal schnell durchziehen getan ist..

Ich habe ihr dann gesagt, dass man sich erstmal Zeit für Veränderung geben muss. Und dann Schritt für Schritt versucht neue Gewohnheiten in sein Leben einzubauen und zwar so, dass sie wirklich lebbar sind und nicht zur Qual werden. Ich glaube nämlich die Kunst im Schlank werden liegt nicht in der aktiven Abnahme, sondern in der Zeit danach. Was nützt mir mein ganzes Wissen über Ernährung und Bewegung, wenn ich zwar mein Wunschgewicht erreicht habe, es aber nicht erhalten kann weil ich wieder in alte Gewohnheiten falle? Eben, es nützt nichts. Es frustriert nur und führt wieder und immer wieder zu  neuem Übergewicht.

Bis zu meinem Wunschgewicht habe ich noch einiges vor mir, ich zweifel auch nicht daran dass ich mein Ziel erreichen werde. Vielmehr interessiert mich die Zeit danach. Kann ich mir meine neue Gewohnheiten beibehalten? Habe ich auch Freude an Sport wenn ich nicht mehr abnehmen muss? Werde ich es jemals schaffen, anständig und mit gesundem Maß mit Essen umzugehen? Fragen über Fragen. Und die einzige Antwort darauf wird die Zeit sein. 

Wir haben nur dieses eine Leben - nutzen wir es ! :)

Kommentare:

  1. Ich kenne das, nur umgekehrt: Ich bin halt schlank (aber auch nicht mager) und wenn ich dann sage, dass ich damit unzufrieden bin, tun alle Leute immer so, als wäre zunehmen das Einfachste der Welt :-S
    Ich finde beim abnehmen auch die Zeit danach total wichtig: Sonst gibt es den berühmten Jojoeffekt und alles war umsonst. Diät ist einfach ein Thema, was einen auch noch nach dem Abnehmen beschäftigen sollte: Erst die Frage "Wie nehme ich ab?", dann "Wie halte ich mein Gewicht?"
    Liebe Grüße, die Frau Schäfchen =)

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  2. Ja, wenn man abnimmt und dabei ist, erscheint es immer leicht. Von außen gesehen sowieso.

    Aber ein übergewichtigen Mensch, der es nicht schafft, aus seine Gewohnheiten auszubrechen, sollte man nicht verurteilen. Es ist ja letztlich auch nur eine Art Suchtverhalten, und Wissenschaftler bestätigen, dass im Gehirn einiges anders läuft, als bei Menschen mit normalem Essverhalten.
    Mit einfach nur gut zureden ist es da leider nicht getan - bewirkt nicht selten auch genau das Gegenteil :/

    Und ja, du kannst sehr wohl stolz auf dich sein. Das soll dir erstmal jemand nachmachen :-)

    Dass die Zeit nach der Abnahme eigentlich das schwester werden soll, habe ich jetzt auch schon von vielen Seiten gehört.
    Ich glaube, dass es so ist, aber es ist für mich wirklich kaum vorstellbar. Wie ist es möglich, ein neues Körpergefühl komplett wieder aufzugeben?
    Ist wahrscheinlich genauso irrational, wie die Tatsache, dass man es überhaupt schon einmal dazu kommen lassen hat...

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  3. Ich habe ja nun in meinem Leben schon bestimmt 4 mal mein Wunschgewicht erreicht und es immer wieder versaut.
    Manchmal 30 Kilo und mehr wieder zugenommen.
    Warum?
    Das ist echt ganz schwer zu sagen. Zum Einen habe ich immer gedacht: jetzt bin ich ja schlank, da macht dann eine Ausnahme nichts. Hätte sie vermutlich auch nicht. Aber es ist eben nie bei der einen geblieben.

    Und das andere Problem ist ganz schwer zu beschreiben. Ich war halt die meiste Zeit meines Lebens übergewichtig und sehr wenig selbstbewusst. Das Gefühl dazu hatte sich mit der Abnahme nie geändert.
    Auch wenn noch so viele Leute gesagt haben, wie toll schlank ich dann war. Es kam irgendwie nie an. Ich habe mich immer noch unsicher und dick gefühlt. Das Bild, das ich von mir im Kopf habe und auch das Spiegelbild, was ich dann sehe, entspricht irgendwie nicht der Realität.
    Und irgendwie hab ich das Gefühl, wenn der Kopf mich selbst noch dick sieht, dann zieht es auch den Körper wieder dorthin.
    Klingt merkwürdig, es ist schwer, das zu beschreiben.
    Aber es war eben nicht, das neue schlanke Lebensgefühl. Ich habe mich nicht natürlich, einfach schlank und sportlich gefühlt. Und auch nicht stolz und selbstbewusst.
    Sich anzunehmen ist wohl für mich ein ganz großes Thema und ich denke, das gehört untrennbar zum Gewichthalten dazu. Zumindest für mich.

    Sorry für den Roman,
    liebe Grüße
    Kris

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  4. ach... inkonsequent sein - sind wir denn nicht ALLE irgendwie inkonsequent... das ist doch menschlich.

    Wenn man von einem Problem nicht betroffen ist, ist es immer total einfach, schlaue Ratschläge zu erteilen. Ich weiß, wie schwer es ist und ich denke, die meisten hier :) und ich spreche sicherlich auch für die anderen wenn ich sage: Ja, Du darfst ruhig stolz sein, auf das was Du erreicht hast - und Dein "Danke!" war genau die richtige Antwort!!!!

    Weiter so - und wie Du sagst, alles andere kommt mit der Zeit!

    Liebe Grüße

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  5. Ehrlich gesagt habe ich Angst davor schlank zu sein,weil man es nicht kennt! Reise in die Ungewissheit!Mein Gewicht hängt auch viel davon ab in welchen Seelischen Zustand ich mich befinde,geht es mir gut purzeln auch die Kilos. Läuft alles aus dem Ruder fange ich wieder an zu essen!
    LG Stoeffelchen!

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  6. @Frau Schäfchen: Mir persönlich kann ich gar nicht vorstellen, dass es schwer ist zuzunehmen. Ich schaffe dass wenn ich nur 1-2 Tage nen Schluri einlege, aber dass ist wohl einfach auch wieder so n Stoffwechselding was halt von Körper zu Körper unterschiedlich ist :)
    @WindimHaar: Ich bin wirklich gespannt was die Zukunft bringt und ob ich meine alten Gewohnheiten wirklich abwerfen konnte. Momentan hab ich ja noch ein Ziel vor Augen und bin in der aktiven Abnahme, da fällt es leichter am Ball zu bleiben. Eigentlich wäre ich schon happy damit, wenn ich irgendwann ganz "normal" essen kann, ab und zu Sport mache und es damit mit der Erhaltung getan ist, dass wäre schön :)
    @Kris: Ohja, dass kenne ich. Immer wenn ich ein bestimmtes Gewicht erreicht hatte, war ich so euphorisch dass ich mir mehr "Ausnahmen" gegönnt habe, was wiederum natürlich zu einer ordentlichen Zunahme führte. So ein Quatsch aber auch! Gefühlsmäßig sehe ich 2011 als das Jahr der aktiven Abnahme und 2012 als das Jahr der Umformung mit Sport, Krafttraining und natürlich hoffentlich noch ein paar Kilos die purzeln werden. Ich mach mir aber selbst keinen Stress mehr, solange ich denke dass meine Ernährung i.O ist und ich mich regelmäßig bewege, kann ich momentan gut damit leben (auch wenn sich auf der Waage nichts tut)
    @Kate: Danke für Deine liebe und aufrichtige Rückmeldung :)
    @stoeffelchen: Ich denke das Problem kennen viele. Ich bin auch ein Stress und Frustesser. Habe ich erst neulich wieder gemerkt. Ich kam gut erholt und mit ner flotten Abnahme aus meinem Urlaub zum arbeiten, wurde dort sofort mit Stress und Anforderungen und Frust meiner Kollegen konfrontiert und habe am Abend diese Stimmung dann in Schokolade "ausgelebt" :/ Am nächsten Tag habe ich mir geschworen, dass ich mir durch meine Außenwelt meine "innere" nicht versauen lassen will. Seitdem seh ich vieles lockerer und bin irgendwie auch gelassener geworden..

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  7. ich pendle ständig auf und ab - da geht um so ca. sechs kilo... das mag in deinen augen (und ich habe sooooo irre respekt davor, wie toll du das meisterst! echt: hut ab!!!) nicht viel sein, aber gesund ist das dennoch nicht. ich bin ja ein frustesser, also wenn es mir gut geht, nimm ich ab, wenn ich kummer habe nimm ich zu. ich hoffe aber nun ENDLICH meine balance gefunden zu haben. denn das nervt sooooo sehr... alles liebe und toitoitoi weiterhin für dich liebe jessi <3

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