Mein Weg in ein 50 Kilo leichteres Leben (Blog Serie Teil 2)


Vor 2 Wochen hatte ich in diesem Blogbeitrag Startgewicht: 156 Kilo ja beschrieben, wie sich mein Leben und meine Ernährung die ersten 28 Jahre entwickelte und aus welchen Gründen irgendwann der Tag kam, an dem ich so einfach nicht mehr weitermachen wollte. 

Aber fangen wir von vorne an...

Als ich im August 2010 diesen Blog hier startete, schrieb ich im ersten Blogeintrag :
"Da ich mich endlich von meinem extrem hohen Übergewicht befreien möchte, habe ich mir überlegt, dies in einer Art Tagebuch zu dokumentieren. So kann ich später mal nachlesen, wie es mir in welchen Phasen meiner Abnahme ergangen ist".

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich bereits um die 5 Kilo abgenommen und erinnere mich daran, das meine Oma einen runden Geburtstag feierte und allerlei Bekannte und Verwandte dazu eingeladen hatte. Und weil ich diesen innerlichen Leidensdruck aufgrund meinem hohen Gewicht einfach nicht mehr weiter am Leben erhalten wollte, hatte ich mein Vorhaben dort öffentlich gemacht und erzählte, das ich mein Leben nun ändern werde und am abnehmen bin. Natürlich war mir zu diesem Zeitpunkt bewusst, das ich bereits gefühlte 1000 Abnehmversuche erfolglos hinter mich gebracht hatte und auch, das mein weiterer Verlauf nun ganz genau beobachtet wird. Aber ich war von Anfang an davon überzeugt das es klappt, wenn ich nur dran bleibe. Und das habe ich mir immer wieder verinnerlicht, wenn ein Tag doch nicht so gut lief oder ich in alte Eß - und Verhaltensmuster zurückfiel. Ich hatte zwar kein Wissen darüber, ob es klappt, wie es klappt oder wie es mir dabei ergeht. Aber ich war in meinem Vorhaben gefestigt und nur das allein zählte in diesem Moment. 

Gerade am Anfang, als ich hier die erste Einträge verfasste, dachte ich mir oft: "Hilfe! Was tust Du da eigentlich? Das können jetzt so viele Leute lesen. Du trägst Dein inneres nach außen, teilst Deine Gedanken, machst Dich öffentlich zugänglich und willst Dich am liebsten doch einfach nur verstecken"! Und dann wurde mir bewusst, das ich mich mit 150 Kilo schlichtweg nicht verstecken kann! Man fällt immer auf. Egal wo man ist. Man hebt sich förmlich mit seiner Masse aus der Masse heraus, auch wenn man sich innerlich noch so klein fühlt. Also bin ich noch einen Schritt weiter gegangen, habe meine damalige Motivation - nämlich pro abgenommenem Kilo 10 Euro an PETA zu spenden - auch dort öffentlich gemacht, habe weiter in meinem Blog geschrieben und nebenher versucht, mein absolut gestörtes Eßverhalten Schritt für Schritt in den Griff zu bekommen.

Und es klappte! Weil ich grundlege Dinge veränderte. Es fing im Grunde mit so banalen Dingen an, wie z.B morgens zu frühstücken. Das hatte ich zuvor zwar auch gemacht, aber schlichtweg zuviel, zu unausgewogen, zu unregelmäßig und vor allem mit solchen Lebensmitteln, die mich den ganzen Tag über weiter hungrig machten. Ich war ein regelrechter Brotjunkie. Ohne Brot ging gar nichts. Morgens Brot, abends Brot und wenn ich am Mittag wie so oft keine Lust hatte mir etwas zu kochen, machte ich mir eben ein paar belegte Brote. 

So hatte ich also begonnen, mich mit Alternativen auseinander zu setzen und probierte mich einfach quer durchs Sortiment. Wie lange sättigt mich ein Müsli? Oder doch lieber Obst? Beides kombiniert? Eher was süßes oder herzhaftes? Ich könnte doch mal warmes Porridge ausprobieren. Oder Rührtofu. Oder Quark mit Obst und Nüssen.. 

Und je mehr ich mich also um Alternativen zu meiner gewohnten Ernährung bemühte, desto größer wurden meine Erfahrungswerte. Ich wusste irgendwann, was mir gut tat und wie ich essen musste, um z.B einen längeren Arbeitstag ohne Fressflash am Abend zu überstehen. Ich erhielt langsam ein Gefühl dafür, welche Lebensmittel sich gut kombinieren ließen, damit ich mich satt, wohl und zufrieden fühlte. Das etablierte sich dann nach und nach auch in Bezug auf das Thema Mittagessen und auch für die Mahlzeit am Abend. Ich musste es mir schlichtweg einfach beibringen und mich dabei ausprobieren. Wenn etwas nicht so gut klappte, hatte ich mir wieder mein Vorhaben vom Anfang in Erinnerung gerufen: "Du schaffst es, wenn Du dran bleibst. Aufgeben ist keine Option!"

Als ich etwa 16 Kilo abgenommen hatte und 140 Kilo wog, war es Frühjahr 2011 und ich fasste all meinen Mut zusammen und begann, regelmäßig zu walken. Jeder "normale" Mensch würde sich denken: "Hey, kein Problem". Aber ich war nach wie vor durch meinen Körper und mein Denken so gehemmt, das mich das große Überwindung kostete. Also stellte ich mir extra den Wecker auf 6.30 Uhr in der Hoffnung, das mir um diese Uhrzeit keiner über den Weg läuft. Ich erinnere mich daran, das es mir damals höchst unangenehm war, morgens bei meiner Walkingrunde auf eine Gruppe Frauen mit ihren Hunden zu treffen, die zusammen die Gassirunde antraten. Allein schon der Weg aus meiner Wohnung, raus aufs ein Kilometer entfernte Feld, kostete mich große körperliche Anstrengung. Dort angekommen, sah ich von weitem schon besagte Gruppe und hätte am liebsten wieder umgedreht. Diverse Gedanken schossen mir durch den Kopf: "Die denken bestimmt: Ach guck mal, da will / muss aber jemand dringend abnehmen" oder " SO will ich niemals aussehen!". Das die Frauen mein Engagement möglicherweise auch positiv sehen würden oder sich sogar innerlich freuten, weil ich versuchte mein Leben gesünder und mit mehr Bewegung zu gestalten, kam mir damals irgendwie gar nicht in den Sinn. Ich dachte sehr negativ über mich und war der Meinung, das alle anderen das bestimmt auch so sehen. Und dennoch: Viel wichtiger für mich war, das ich überhaupt etwas tat. Das ich mich aufrappelte und an meinen Zielen arbeitete. So ging ich also bei den ersten Begegnungen mit gesenkten Blick an dieser Mensch/Hundegruppe vorbei. Ein kurzer Aufblick, ein freundlicher Morgengruß und schnell weiter. Puh! Geschafft. Schnell um die nächste Kurve laufen und dann bist Du wieder für Dich allein. Und mit jeder weiteren Begegnung merkte ich, das es ja eigentlich gar nicht so schlimm war. Und lief am nächsten Morgen wieder. Ziemlich schnell war meine Anspannung überwunden und ein Gefühl von innerer Zufriedenheit stellte sich bei mir ein. Ich hatte es geschafft! Ich lief, weil ich ich es konnte. Ich ernährte mich gut, weil ich es konnte. Ich war stolz auf mich, weil ich stolz auf mich sein durfte. 

Mit dieser Kombination - also regelmäßigem walken an der frischen Luft und einer grundlegenden Veränderung meiner Ernährungsgewohnheiten - nahm ich 40 Kilo bis Oktober 2011 ab. Damals hatte ich in diesem Blogeintrag geschrieben, das ich noch große Ziele vor mir hab und wollte - ausgehend von 116 Kilo - die nächsten 7 Monate (bis zu meinem 30ten Geburtstag) noch weitere 25 Kilo abnehmen und dann in die Erhaltung zu gehen. Also meldete ich mich im November im Fitness Studio an, in welchem ich dann auch ca. 3-4 mal in der Woche (je nach Dienstplan / Arbeitsintesivität) trainierte. Im März 2012 konnte ich dann mein 50 Kilo leichter Jubiläum feiern und war voller Tatendrang, die restlichen Kilo`s auch noch zu schaffen.

Aber wie es eben so ist, hat man gewisse Entwicklungen einfach nicht in der Hand. Es gab durchaus Zeiten, da hätte ich am liebsten alles hingeschmissen. Gerade wenn ein Tag nicht so gut lief, ich mich von beruflichen (Über) Anforderungen oder Ungerechtigkeiten nicht klar genug abgrenzen konnte und schlussendlich mit einer Packung Kekse und Selbstvorwürfen den Tag beendete. All das habe ich immer wieder auf dem Blog dokumentiert, weil ich mir gegenüber ehrlich und authentisch bleiben wollte. Natürlich freute ich mich darüber, das ich es tatsächlich "geschafft" hatte. Aber ich merkte eben auch, das genau diese äußerliche Entwicklung, die enormen Anstrengungen für Kopf und Körper, all die neuen Impulse, aber auch die stressigen Anforderungen im Beruf, mich sichtbar müde und irgendwo auch ein Stück antriebslos gemacht hatten. Die Besuche im Fitness Studio wurden zunehmend seltener, bis ich dann irgendwann gar nicht mehr hinging. Im Sommer 2012 war ich ständig hin und her gerissen, zwischen "Ich will das noch schaffen" und "Mir ist das alles viel zu viel". Gerade in dieser Zeit, waren meine Einträge sehr emotional geprägt, wie z.B in dem Beitrag 24 Stunden, als ich einerseits zwar Leistung erbringen wollte, andererseits aber keine Kraft und Lust mehr dazu hatte. Besagter Sommer war - gewichtstechnisch gesehen - ein totales Fiasko. Ich hatte mich von 106 Kilo bis zum Jahresende wieder auf 118 Kilo hochgefuttert, mir ging es einige Wochen sowohl körperlich wie auch emotional nicht gut und die Diagnose "Erschöpfungsdepression" machte die Sache auch nicht wesentlich einfacher. Aber auch hier fasste ich neuen Mut, versuchte mich im Herbst nochmals im Fitness Studio (was kurz darauf aber scheiterte) und beendete das Jahr mit einem Jahresrückblick 2012, der folgenden Satz enthielt:

" Das Jahr ist gut so wie es ist. Es musste einfach so sein, damit ich mich weiterentwickeln kann. Weiterentwicklung bedeuted das Ende vom Stillstand ♥ "

Ab 2013 begann dann im Grunde eine Entwicklung, die mich bis zum heutigen Tag prägt. Denn ich merkte immer deutlicher, das mein Leben nicht allein vom meinem Gewicht abhängt. Das ich auch andere Entwicklungen in der Hand habe, wenn ich aktiv daran arbeite. Das ich bennenen kann, wenn mich etwas ärgert, ich mich ungerecht behandelt fühle oder ich etwas schön finde. Natürlich ist man dann nicht mehr "everybodys darling" aber das ist ok. Es ist schlichtweg einfach nur menschlich und ich kann am Abend ohne schlechtes Gewissen in den Spiegel blicken mit dem Gedanken:

Sei Du selbst, alle anderen sind schon vergeben. – Oscar Wilde

Gerade in diesem Blogeintrag Negative Empfindungen vs. Frustessen ist mir das so richtig bewusst geworden und ich bin weiß, das auch solche Zeiten dazugehören, um daran zu wachsen und sich zu entwickeln.

Ich habe seit der 50 Kilo Abnahme zwar keine größeren Sprünge bzgl. meiner weiteren Abnahme gemacht, aber ich habe mich in vielen anderen Bereichen weiterentwickelt und mich an Dinge herangetraut, die vor einiger Zeit noch völlig unüberwindbar für mich erschienen. Ich achte auf mich, so gut es eben geht. Auch in meiner Ernährung. Wo ich mir vor 2 Jahren noch so einen Druck bezüglich der weiteren Abnahme gemacht habe, lege ich zwischenzeitlich den Wert auf eine zum größten Teil ausgewogene Ernährung, hab im Moment wieder große Freude an Bewegung an der frischen Luft und bin sowohl mit meiner privaten als auch beruflichen Entwicklung sehr zufrieden. Das Gewicht kann ich dabei erhalten und das ist mitunter eigentlich ja noch viel wichtiger. Und wenn sich ab und zu ein paar hundert Gramm dann doch von mir verabschieden wollen, habe ich natürlich auch nichts dagegen.



Aber mehr davon im 4ten Teil der Blog Serie (Welche Erfahrungen habe ich zum Thema Gewichtserhaltung?), denn im nächsten Teil möchte ich aufzeigen, wie sich bei mir exemplarisch ein "normaler" Wocheneinkauf bzw. meine aktuelle Ernährung gestaltet.

Sonnige Grüße ♥ Jessi


Kommentare:

  1. Sehr sehr schön geschrieben und mir kommt alles wahnsinnig bekannt vor!!! Ich finde es wirklich sehr beeindruckend wie du das alles gepackt hast und ich finde du warst auch davor schon eine ganz Süße :)

    Liebe Grüsse ♥

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    1. Juhu - da bist Du ja wieder :) Freut mich sehr von Dir zu lesen. Vielen Dank für Deine Rückmeldung und bis bald :)

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  2. Ein toller Text und wirklich wahre Worte!
    Ich glaub echt, das Befreiende ist wenn man einsieht, dass es nicht immer nur ums Abnehmen geht, das spuckt nämlich bei mir momentan auch rum, sondern das man auch mehr schafft.
    Man hat mehr in der Hand und schafft auch mehr, wenn man sich nicht in eine Sache verbissen hat.

    Die 50 kg Abnahme ist großartig, aber dein neues Lebensgefühl noch mehr :)

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  3. Seit Anfang Januar gehe ich ins Fitnessstudio. Ich habe zwar ne normale Figur, aber Sport tut trotzdem gut. Zumindest sehe ich seit dem immer, wenn ich da bin, einen jungen Mann, der dick ist. Natürlich fragt man sich, wie es so weit hätte kommen können, aber dennoch bewundert man ihn. Ich zumidnest. Ich finde es unglaublich, wie viel Fortschritte er macht und ich könnte wetten, das er bestimmt schon 20 Kg oder mehr abgenommen hat. Es kann viele unterschiedliche Gründe haben, wieso man an Gewicht zu nimmt. Dennoch darf man wie du nie aufgeben und muss weiter kämpfen!:) Sei stolz auf dich und deine Erfolge und mach dir keine Gedanken, was andere denken könnten!

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  4. Ich habe bereits deinen letzten Post bezüglich deiner Abnahme mit Begeisterung gelesen! Leider hat da mein Kommentar nicht so richtig funktioniert, wurde von Blogger aus dem System geworfen.
    Jetzt versuche ich es hier nochmal meinen Senf dazu zu geben. :)
    Ich finde es sehr bewundernswert, was du geschafft hast! Ich kämpfe schon seit langer langer Zeit damit, dass ich läppische 5 Kilo abnehmen will. - Und schaffe es nicht! :( Hab schon die Eiweißdiät oder die Diät ohne Kohlenhydrate probiert, aber es hat sich absolut nichts getan. Dann verfalle ich schlussendlich wieder in meine Süß-Phase. Zucker sollte ich allerdings vermeiden, da ich Fructoseintoleranz habe. Ja und mein Stoffwechsel ist auch nicht so auf der Höhe, da ich Hashimoto habe. Aber genug der Suderei! Ich werde deine nächsten Posts mit Begeisterung verschlingen!
    LG Petra

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  5. Wow deine Geschichte ist wirklich inspirierend! Ich finde es toll, dass du hier von deinen Erfahrungen berichtest und es bestätigt sich mal wieder, dass Crashdiäten oder Diäten allgemein unsinnig sind und langfristig nichts erreichen! Mach weiter so und genieße dein Leben :)

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  6. Einfach nur WOW... ich bin sprachlos.
    Ein berührender Post, Danke für Deine wunderbare Offenheit.
    Das letzte Bild von Dir finde ich absolut bezaubernd!
    Du machst das so toll....
    GLG, MamaMia

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  7. Ich bewundere dich wirklich für dein Durchhaltevermögen - das hast du richtig richtig gut gemacht - kannst wirklich stolz auf dich sein!!

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  8. Ein sehr schöner Text und eine sehr schöne Frau! Danke für Deine Offenheit, die Du einfach mit Fremden teilst!

    LG
    Reisi

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Danke für Deine Meinung :)

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